Hansruedi Steiner

Kopfsache

Ausstellung vom 25. Mai bis 29. Juni 2019

Vernissage

Samstag, 25. Mai von 14:00 bis 17:00 Uhr

Ausstellung
Die Ausstellung befindet sich im Parterre und 4. Stock

Hansruedi Steiner macht sich die Beschaffenheit des Holzes zu Nutze im Schneiden
und Beschneiden, im Lassen und Weglassen. Seiner zeichnerischen Intention folgend
erobert er sich Räumlichkeit. Er schneidet, spart aus, fügt materialisierte Linie zu
Linie, schafft Raumhüllen als filigrane Holzzeichnungen. Verflechtungen, Spiralen,
Gedrehtes und Verdrehtes sucht sich eigene Raumordnungen. Zarte Gehäuse entste-
hen, gewahren Einblicke und Durchblicke in gesponnene, fast eingeschlossene
Räume, die sich uns im Tabu verweigern. Die raumbergenden und raumentbergenden
Gehäuse verwandeln sich zu Lichtgefässen, die wir wie Zeichen des dem Schweren,
ihrem Gewicht des Materials enthoben, wahrnehmen. Verkörperungen der Leichtig-
keit des Seins möchte diese dem Holze abgerungenen Wesensformen bezeichnen:
etwas Metamorphotisches haftet an.
Hansruedi Steiners gestalterischer Reichtum scheint unerschöpflich. Seine Werk-
gruppen bezeugen die Vielfalt an Form und strukturaler Idee, auch mit Einbezug
optischer Effekte. Seine plastischen Objekte, seien es Stelen, Tisch- oder Wand-
objekte zeugen von sozusagen „knochenharter“ Arbeit, sie zeugen von geduldiger
Hingabe und Liebe, dem Leben des Holzes abgerungen. Kein Wunder also, wenn
Hansruedi Steiner sich seiner Werktreue gegenüber als „maniac“ bezeichnet.
Nun aber zu den Bildzeichen selbst: einen weiteren Rückschluss zu den Beziehungen
von Flache und Raum, hier vom Relief zum gerahmten Bild, vollzieht Hansruedi
Steiner mit der Verwertung seiner Arbeitsabfälle. Es sind dies die Rückstände seiner
Reliefs, die kleinsten Holzspäne. Dem Zufall entnommene Elemente, Kleinstplastiken
also, bilden das Bildmaterial, verwandelt zum Alphabet geordneter Schriftbilder.
Die so sich entfaltende Varietät einer Zeichenschrift lockt zum Lesen. Dazu wünsche
ich Lesefreude, dem heutigen Analphabetismus zum Trotz.

Cécile Laubacher